07. September 2010 - Der Arbeitsmarkt im August 2010 in der Stadt Frankfurt am Main
Erwartungsgemäß Erholung auf dem Arbeitsmarkt der Stadt Frankfurt.
Nach einem Anstieg im Juli haben hat sich die Zahl der Erwerbslosen in der Stadt Frankfurt am Main im August um 108 Personen auf nunmehr 27.143 leicht verringert. Die Arbeitslosenquote -bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen – liegt aktuell bei 7,9 Prozent, im Vormonat waren es acht Prozent (Vorjahr 8,3 Prozent).
Nach Personengruppen betrachtet ist, bis auf die Gruppe der über 55-Jährigen, überall ein Rückgang gegenüber dem Vormonat zu beobachten. Bei den Älteren sind 88 Personen oder 1,2 Prozent mehr als im Vormonat registriert. Im Vorjahresvergleich fällt der Anstieg noch gravierender aus: Hier sind 426 (11,9 Prozent) Erwerbslose über 55 Jahre mehr gemeldet. Erwartungsgemäß hat sich der Bestand bei der Gruppe der unter 25-Jährigen am auffälligsten verringert. Durch Aufnahme von Beschäftigungen nach Schule oder Ausbildung sind mit 6,5 Prozent weniger als im Vormonat, jetzt 2.442 junge Menschen gemeldet. Gut 38 Prozent der Arbeitslosmeldungen erfolgte von Personen ohne deutschen Pass. Zurzeit sind in der Stadt Frankfurt 10.320 erwerbslose Ausländer registriert.
Karl-Heinz Huth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Frankfurt: „Gerade im Hinblick auf die Diskussionen zur Erhöhung des Rentenalters ist es besonders wichtig, für Menschen über 50 den Arbeitsplatz zu erhalten oder diese umgehend erneut in eine Beschäftigung zu bringen. Ich appelliere deshalb an alle Unternehmen, bei der Einstellung auch erfahrenen Arbeitsuchenden eine Chance zu geben. Der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Frankfurt berät selbstverständlich auch hier bei der Einstellung von Arbeitskräften und kann helfen, wenn vermeintliche Vermittlungshemmnisse einem Arbeitsverhältnis im Wege stehen sollten. Somit können zum Beispiel auch besondere Fachkenntnisse, die in einem Betrieb gefordert werden, oder auch eine vielleicht längere Einarbeitungszeit, kein Grund mehr für die Nichteinstellung von Älteren sein. Eine ausgewogene Mischung von frisch ausgebildeten jungen und erfahrenen älteren Fachkräften ist für jeden Arbeitgeber ein nicht zu unterschätzender Gewinn.“
In der Stadt Frankfurt wird der Kundenbereich Arbeitslosengeld (ALG) I (Sozialgesetzbuch III) von der Agentur für Arbeit Frankfurt und der Kundenbereich ALG II (Sozialgesetzbuch II) von der Arbeitsgemeinschaft Rhein-Main Jobcenter GmbH (ARGE RMJ) betreut. Mit über 71 Prozent ist der größte Teil der erwerbsfähigen Arbeitslosen bei der ARGE RMJ gemeldet.
Zurzeit sind in der Stadt Frankfurt 19.392 Arbeitslose nach dem SGB II gemeldet. Das entspricht einem Plus gegenüber dem Vormonat von 39 Personen. Gegenüber dem Vorjahr hat sich die Zahl allerdings um 1.069 Personen verringert. Gut 42 Prozent der Erwerbslosen sind Ausländer (8.219), hier ist ein eher zu vernachlässigender Rückgang von zehn Personen gegenüber dem Vormonat zu beobachten. Die Zahl der über 55-jährigen liegt mit einem leichten Plus von 25 Personen gegenüber der des Vormonats bei 2.398. Erwartungsgemäß ist die Zahl der Jüngeren unter 25 Jahren auf nunmehr 1.638 Arbeitslose gesunken. Gegenüber dem Vormonat ist dies ein Minus von vier Prozent.
Heike Hengster, Geschäftsführerin der ARGE RMJ: „Die Arbeitslosigkeit ist im Monat August im SGB II-Bereich leider leicht angestiegen. Auch die Rhein-Main Jobcenter GmbH muss feststellen, dass der Anstieg hauptsächlich bei den über 55Jährigen zu beobachten ist. Wir steuern mit unserem Programm „Jobs für best agers“ gegen, denn die Hilfe besonders für diese Personengruppe ist drängender denn je. Aufgrund der guten Erfahrungen wird dieses Programm auch fortgeführt werden. Wir setzen auf die (Lebens-)Erfahrung der Älteren, die ein wertvolles Potential für die Arbeitgeber darstellen. Viele Ältere sind leider schon über einen längeren Zeitraum erwerbslos und je länger diese Zeit andauert, desto schwieriger gestaltet sich die Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Nicht nur Wissen muss aufgefrischt werden, sondern auch die nötige Selbstachtung ist teilweise verloren gegangen. Dies erfordert eine intensive Betreuung und ist oftmals ein langwieriger Prozess. Hierzu bietet die Rhein-Main Jobcenter GmbH sowohl den potentiellen Arbeitnehmern als auch den Arbeitgebern zuverlässige Unterstützung an. Nichtsdestotrotz bin ich zuversichtlich und stolz auf unsere bisherige Arbeit: Betrachtet man sich die Zugänge an Erwerbslosen allein nur seit Januar 2008 kann man eine Steigerung von über 60 Prozent erkennen. Demgegenüber stehen 67 Prozent, die ihre Arbeitslosigkeit beendeten. Das heißt konkret, dass wir in diesem Zeitraum die Arbeitslosigkeit um fast 2.500 Personen verringern konnten. Wir erzielen vielleicht keine spektakulären Erfolge, aber kommen in kleinen Schritten unserem Ziel näher. Und das heißt: Vermittlung in dauerhafte Beschäftigung.“
Auch auf dem Ausbildungsmarkt ist Bewegung: seit Beginn des Berichtsjahres im Oktober 2009 haben sich bisher im Stadtbezirk Frankfurt 2.871 Bewerber bei der Arbeitsagentur Frankfurt gemeldet. Dies sind 549 Jugendliche mehr als im Vorjahreszeitrum. Fast 66 Prozent haben einen deutschen Pass und mit 18 Prozent sind die 18Jährigen am stärksten vertreten. Erfreulich ist, dass noch nicht mal ein Prozent der Ausbildungssuchenden keinen Schulabschluss hat – über 40 Prozent haben sogar einen mittleren Bildungsabschluss.
Zwar ist das Berufsberatungsjahr erst im September abgeschlossen und erst dann lässt sich abschließend berichten, aber durch zum Beispiel den Beginn einer Berufsausbildung, weiteren Schulbesuch, Berufsvorbereitungsmaßnahmen oder auch Wehr- und Zivildienst, konnten bisher über 83 Prozent der ursprüngliche gemeldeten Ausbildungsplatzsuchenden bereits wieder bei der Berufsberatung abgemeldet werden. Da auch jetzt immer noch Ausbildungsverträge abgeschlossen werden, kann noch von einer Zunahme der versorgten jungen Menschen ausgegangen werden.
Huth zur Ausbildungsmarktsituation: „Die Zahl der gemeldeten oder unversorgten Bewerber ist nicht in erster Linie entscheidend. Für mich ist wichtig, wer Ende September einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen oder eine entsprechende Alternative für sich gefunden hat. Ob sich Jugendliche nun für eine weiterführende Schule oder Ausbildung entscheiden, erst einmal den Wehr- oder Ersatzdienst ablegen oder sich zuerst in einer vorbereitenden Bildungsmaßnahme befinden: Die Hauptsache ist eine Perspektive für die Zukunft. Dass die jungen Menschen nach der Schule eine Aufgabe haben, halte ich für immens wichtig. Nur so werden Erfahrungen gesammelt und Netzwerke für das spätere Leben geknüpft. Gerade dies ist im Hinblick auf die künftige berufliche Zukunft entscheidend: Nicht erst eine Lücke im Lebenslauf entstehen lassen, sondern aktiv werden und kontinuierlich „am Ball“ bleiben. Wir können hier Hilfestellung geben, aber den Willen, etwas aus der Zukunft zu machen, muss jeder selbst mitbringen.“


