09. Juni 2009 - Als Berufswunsch Hartz IV?
Fragt man die Schülerinnen und Schüler der von der EU geförderten Schulklasse 8 der Bürgermeister-Grimm-Schule im Gallus woher das Geld für den Lebensunterhalt kommt, dann findet sich Lohn / Gehalt erst an achter und letzter Stelle. Selbstverständlicher ist es derzeit noch, Gelder von den verschiedenen Ämtern zu beziehen.
Aus diesem Grund wurde an der Bürgermeister-Grimm-Schule in der Zeit vom 15.6.2009 - 19.06.2009 eine Projektwoche initiiert, die unter dem Motto steht: Ein Leben mit Nichts! - Will ich das? Betreut wird das Projekt von der Klassenlehrerin Martina Franke und dem Sozialpädagogen Mario Pisacane.
Neben verschiedenen Aktivitäten wie die Errechnung des Tagessatzes eines Hartz- IV–Empfängers, einen Tag bei der Ausgabe von Sachmitteln in einer karitativen Einrichtung und nicht zuletzt einer öffentlichen Umfrage nach dem Stellenwert von Hartz-IV-Empfängern in der Gesellschaft, ist auch ein Besuch in der Rhein-Main- Jobcenter GmbH (RMJ) vorgesehen. Die Jugendlichen sollen dort unter realen Bedingungen Leistungen beantragen.
Klassenlehrerin Martina Franke: „Dazu gehört auch die Überprüfung der mitzubringenden Dokumente. Diese wurden vorher im Unterricht erarbeitet und müssen mitgebracht werden. Fehlende Unterlagen sind ansonsten von zu Hause zu holen und es gilt dann, sich neu in die Schlange zu stellen.“ Mario Pisacane als betreuender Sozialpädagoge: „Über das Kennenlernen des Beantragungsablaufes mit Warteschleife, Formular ausfüllen, Offenlegung persönlicher Lebensumstände können die Jugendlichen erkennen, wie beschwerlich die Beantragung ist. Da die Beantragung tatsächlich in Echtzeit und einer „Echtsituation“ erfolgt, kann sehr gut
die Anforderungen an Vorausplanung, Geduld, Frustrationstoleranz, Gesprächskompetenz, die mit der Beantragung verbunden sind, erlebt werden. Unser Dank gilt allen Beteiligten der RMJ, die geholfen haben, dass wir dieses Projekt verwirklichen können.“
Claudia Czernohorsky-Grüneberg von der Geschäftsführung RMJ ist von dem Erfolg der Projektwoche überzeugt: „Hier können Jugendliche konkret erfahren, was es heißt, mit wenig leben zu müssen. Das hilft mehr als der moralische Zeigefinger und wird manchen davon hoffentlich überzeugen wie wichtig es ist, den Start in das Berufsleben mit einem Schulabschluss und einer Ausbildung, anstatt mit Sozialleistungen zu beginnen. In diesem Sinne müssen auch die Eltern ihre Kinder beraten und sie bei der Frage, was kann, was will ich werden mit ganzen Kräften unterstützen.“


